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Forschung

In der Forschung werden Vielfalt und Ungleichzeitigkeit als Kennzeichen europäischer Entwicklungsprozesse zwischen dem späten 18. und dem 20. Jahrhundert in einer globalen Perspektive herausgestellt. Europäische Geschichte bedeutet nicht, in legitimierender Absicht nach dem Europäischen an Europa zu fragen. Ein methodischer Schwerpunkt liegt auf vergleichenden Herangehensweisen: Bekanntes und Selbstverständliches zu verfremden, gängige Hypothesen und nationale historiographische Traditionen zu hinterfragen und neue Fragestellungen hervorzubringen – diese Stärken von Vergleich, Transfer und Verflechtungsgeschichte machen ihre Faszination aus. Neben dem Vergleich liegt ein Schwerpunkt auf kultur- und erfahrungsgeschichtlichen Perspektiven.

Die Professur beteiligt sich an interdisziplinären Verbundprojekten der Philosophischen Fakultät, wie z.B. dem SFB 948. Gleichzeitig bietet sie Raum für eine Reihe von Einzelstudien und setzt auf Offenheit gegenüber einem breiten Spektrum von historischen Frageweisen und Forschungsansätzen.


Laufende Forschungsprojekte

Andreas Bolte

Temporal Practices and Imperial Rule in British Malaya and the Dutch East Indies, ca. 1900-1940

The project wants to investigate the relation between temporal practices (like planning and scheduling) and imperial rule in early twentieth century Southeast Asia by taking a closer look at the rubber industry and its role in the colonial economy.

Andreas Eder

Zwischen Wahrheit, Halbwahrheit und Unwahrheit. Der Umgang mit der politischen Lüge in Deutschland und Großbritannien 1880–1914

Das Projekt untersucht die Kommunikation über politische Lügen, die Instrumentalisierungen von Lügner-Vorwürfen und die zeitgenössischen Auseinandersetzungen in Parlamenten, Gerichtssälen und Wahlkämpfen über den Wert der Wahrheit in der Politik.

Valentina Escherich

Wissensgeschichte weiblicher Homosexualität (Deutschland und Italien um 1900)

Valentina Escherich untersucht die Kategorie weibliche Homosexualität hinsichtlich ihrer Konstruktion, Popularisiserung und Politisierung in Aushandlungensprozessen über das Strafrecht, die Ehe, die Frauenbewegung und die Prostitution.

Sebastian Fahner

Kämpfe um Vergangenheit und Zukunft: Geschichtsdeutung und Utopie in den Arbeiterbewegungen Spaniens und der Habsburgermonarchie, 1890-1914

Das Dissertationsprojekt behandelt Geschichtsdeutungen in der sozialistischen Arbeiterbewegung Spaniens und der Habsburgermonarchie, 1890-1914. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei dem Umgang mit nationaler und imperialer Geschichtspolitik.

David Fetzer

Die Beziehungen zwischen Parteien und Schutzvereinigungen in Böhmen und Irland im Vergleich, 1885-1914

Das Projekt untersucht die Interaktion von politischen Parteien und offiziell unpolitischen Schutzvereinigungen, wobei neben Kooperation und Verflechtungsprozessen thematisch und institutionell bedingte Spannungen und Konflikte im Vordergrund stehen.

Claudia Gatzka

Die „Wiege der Zivilisation“ als imperiale Destination. Westlicher Tourismus ans östliche Mittelmeer, 1840–1930

Das Habilitationsprojekt untersucht westliche Selbstverortungen im Rahmen der touristischen Erkundung antiker Geschichte und orientalisierter Gegenwarten am östlichen Mittelmeer. Es fragt nach nationalen und sozialen Eigenlogiken, nach Interaktion und Abgrenzung bei der Konstruktion touristischer Destinationen im Zeitalter imperialer Massenkultur.

Claudia Gatzka

Gut vertreten? Politische Repräsentationen des „Volkes“ in der Bundesrepublik

Das Projekt erforscht, wie Wähler:innen und Gewählte seit den Anfängen der Bundesrepublik ihre Beziehungen zueinander gestalten. Es fragt nach Selbstinszenierungen und Repräsentationen „des Volkes“ und den zirkulierenden Vorstellungen guter politischer Vertretung vor und nach Beginn des Internetzeitalters.

Manuel Geist

An den Schnittstellen der Macht. Französische und britische Russlandexperten als politische Akteure in den internationalen Beziehungen (1870-1924).

Das Projekt beschäftigt sich mit der Rolle französischer und britischer Wissenschaftler und Journalisten, die als Wissensproduzenten, mediale Meinungsführer sowie als Berater und inoffizielle Agenten die Russlandpolitik ihrer Länder mitbestimmten.

Kristoffer Klammer

Autoritätswandel und Globalisierung. Schiedsrichter*innen im modernen Sport, ca. 1850-2000

Das Projekt erforscht die Geschichte der Schiedsrichter im modernen Sport. Dabei untersucht es zum einen den Wandel von Entscheidungsautorität in modernen Gesellschaften, zum anderen perspektiviert es die Regelhüter als Agenten der Globalisierung.

Kristoffer Klammer

‚Autorität‘ im 20. Jahrhundert

Das begriffsgeschichtliche Vorhaben untersucht den Wandel der Semantik von ‚Autorität‘ im 20. Jahrhundert. Ziel ist der entsprechende Beitrag für das Verbundprojekt „Das 20. Jahrhundert in Grundbegriffen. Lexikon zur historischen Semantik in Deutschland“.

Jörn Leonhard (zusammen mit Ulrike von Hirschhausen)

„Empires. Eine globale Geschichte 1780-1920“

Empire und Imperialismus sind in der Gegenwart allgegenwärtig geworden, wenn es darum geht, eine polyzentrische Welt zu deuten. In unserem Buch blicken wir auf das Grundproblem ethnischer Vielfalt in ganz unterschiedlichen Kontexten, vor allem auf die Perspektive der Untertanen, Kolonisierten und Beherrschten im langen 19. Jahrhundert. Wir fragen, wie diese Akteure vor Ort auf imperiale Herrschaftsinstrumente und Strategien reagierten. Damit liegt der Fokus auf der Vielfalt von Handlungsmöglichkeiten in globalen Kontexten, die aus der Konfrontation mit imperialer Herrschaft entstanden.

Jörn Leonhard

„Die Krisen der Welt 1918-1937/41“

Die Phase zwischen dem langen Ende des Ersten Weltkriegs und den globalen Anfängen des Zweiten Weltkriegs zwischen 1937 und 1941 war mehr als eine Zwischenkriegszeit. Um diese Epoche nicht auf eine Vorgeschichte von Demokratiezerfall und Gewaltsteigerung zu reduzieren, fragt das Buch nach globale Konvergenzen und Divergenzen auf unterschiedlichen Ebenen: von inneren und äußeren Ordnungsversuchen nach 1918, Revolutionen und Gegenrevolutionen im Zeichen einer neuen Utopienkonkurrenz, über globale Herausforderungen und Resilienzerfahrungen von Kapitalismus und Demokratie bis zu kulturellen Aufbrüchen und Medien der Weltwahrnehmung.

Anna Mashi

Staatenlosigkeit in der Weimarer Republik

Anna Mashi analysiert Staatenlosigkeit als gemachte, veränderliche Kategorie im Feld zwischen Verwaltung, Menschenrechten und Humanitarismus. Im Fokus stehen Aushandlungsprozesse zwischen Staat und Völkerbund sowie der Einfluss privater Lobbygruppen.

Elise Mazurié

Deutschland besetzen, Frankreich repräsentieren? Algerische, tunesische und marokkanische Soldaten in der französischen Armee in der FBZ

Das Projekt untersucht im Kontext der Dekolonisierungen die Erfahrungen von Soldaten der französischen Armee, welche aus den (ex-)Protektoraten Marokko und Tunesien sowie den (ex-)Départements Algeriens stammen, als Besatzer in Deutschland.

Tabea Nasaroff

Das Demokratische vermessen – Politikwissenschaft und Öffentlichkeit in der Bundesrepublik (1949–1989)

Das Projekt untersucht die Auftritte von Politikwissenschaftlern in westdeutschen Medien. Es fragt nach den auf diese Weise vermittelten Begriffen von der zweiten deutschen Demokratie und wie diese im Austausch mit der Bevölkerung ausgehandelt wurden.

Friedemann Pestel

Global Players: Orchestertourneen und internationaler Musikbetrieb 1880-2000

Globale musikalische Mobilität entwickelte sich zu einem Signum internationaler Kulturbeziehungen im 20. Jahrhundert. Die Tourneeziele deutscher und österreichischer Orchester, Kulturdiplomatie, Musikmarkt und Musikerkarrieren erschließen die Kontinuitäten und den Bedeutungswandel von Musikpraktiken in verschiedenen Weltregionen.

Sebastian Petznick

Teuerung und soziale Demokratie in Frankreich, 1918-1937

Anhand zeitgenössischer Konflikte um hohe Lebenshaltungskosten (die sogenannte vie chère) untersucht das Projekt die Verschiebungen in den Vorstellungen von Kapitalismus und Demokratie nach dem Ersten Weltkrieg und fragt nach der Bedeutung von Konsum als Form ökonomischer Teilhabe für die Legitimität der französischen Demokratie.

Helke Rausch

Transnationale Zeitgeschichte der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main (1946–1990)

Das Projekt vermisst den kulturpolitischen Ort der späteren Deutschen Nationalbibliothek (seit 2006) und profiliert sie als Wissens- und Diskursspeicher im Kontext der westdeutschen, deutsch-deutschen und transnationalen Zeitgeschichte des Cold War.

Helke Rausch

US-amerikanische Stiftungen im Europa des 20. Jahrhunderts

Das Habilitationsprojekt bearbeitet eine Kernphase moderner globaler Wissenschaftsdiplomatie, die finanzstarke US-amerikanische Stiftungen mitunter aus hegemonialer Ratlosigkeit vor dem Hintergrund zweier Weltkriege im europäischen Zeitalter der Extreme betrieben.

Luca Scalzini

„Eppure l’Africa ci è necessaria.“ Koloniale Zukunftsvorstellungen in der Società Geografica Italiana 1867–1920

Das Projekt möchte erklären, warum die Geographische Gesellschaft zu einem starken Fürsprecher für einen italienischen Kolonialismus in Afrika wurde und wie die sich wandelnden kolonialen Zukunftsvorstellungen der Mitglieder die Entwicklung sowohl der Gesellschaft als auch der italienischen Kolonialpolitik in Afrika beeinflussten.

Pierre Schmuck

Demokratie als Bildungsprojekt? Die Reichszentrale für Heimatdienst und Volkshochschulen in der Weimarer Republik

Das Dissertationsprojekt untersucht Ideen, Konzeptionen und Praktiken zeitspezifischer Demokratievermittlung mit Blick auf Potentiale und Grenzen politischer Bildungsarbeit zur Stabilisierung der Weimarer Republik.

Moritz Sorg

Fremdheit und monarchische Herrschaft: Die transnationale Monarchie im Zeitalter des Nationalismus 1815-1927

Das Projekt untersucht das Phänomen fremdnationaler MonarchInnen im 19. Jahrhundert, dem Ersten Weltkrieg und der Zwischenkriegszeit. Die europäisch vergleichende Analyse erklärt deren Identität, Legitimation und internationale Wahrnehmung im Kontext des anwachsenden Nationalismus.

Jens Späth

Wahrnehmung und Wirkung der südeuropäischen Revolutionen von 1820-23 im Deutschen Bund

Das Projekt untersucht die unmittelbaren, mittel- und längerfristigen Wahrnehmungen und Auswirkungen der südeuropäischen Revolutionen von 1820-23 im Deutschen Bund mit besonderem Fokus auf transnational zirkulierenden Ideen und Praktiken.

Johannes Staudt

Rural Cultures of Innovation and the Emergence of European Capitalism.

In order to improve our understanding of the emergence of sustained economic growth in 18th and 19th century Europe, this project inquires rural cultures of innovation focusing on clock and watch making in the Black Forest and the Jura.

Abgeschlossene Forschungsprojekte

Abgeschlossene Dissertationen und Habilitationen

Dissertationen

Habilitationen

  • Theo Jung: Qui tacet: Die Politik des Schweigens im Europa des langen 19. Jahrhunderts
  • Sonja Levsen: Autorität und Demokratie. Eine Kulturgeschichte des Erziehungswandels in Westdeutschland und Frankreich, 1945-1975 (erschienen 2019 im Wallstein Verlag)
  • Friedemann Pestel: Global Players: Orchestertourneen und internationaler Musikbetrieb 1880-2000

Verbundprojekte

Buchpublikationen

Prof. Dr. Jörn Leonhard

Leonhard - Der überforderte Frieden Der überforderte Frieden. Versailles und die Welt 1918-1923, C.H. Beck 2018.
Leonhard - Büchse der Pandora (Paperback) Büchse der Pandora. Geschichte des Ersten Weltkriegs (Paperback), C.H. Beck, 2018.
Leonhard - Pandora’s Box Pandora’s Box. A History of the First World War, Harvard University Press, 2018.
9783412502805.jpg Semantiken von Arbeit: Diachrone und vergleichende Perspektive, hg. von Jörn Leohard und Willibald Steinmetz, Böhlau-Verlag: Köln/Weimar/Wien 2016.
Liberalismus

Liberalismus im 20. Jahrhundert, hg. von Jörn Leonhard und Anselm Doering-Manteuffel, Steiner-Verlag: Wiesbaden 2015.

Vergleich und Verflechtung

Vergleich und Verflechtung. Deutschland und Frankreich im 20. Jahrhundert, hg. von Jörn Leonhard (Studien des Frankreich-Zentrums der Universität Freiburg, Bd. 22), Erich Schmidt Verlag: Berlin 2015.

Menschen im Krieg 1914-1918 am Oberrhein (2014).jpg

Menschen im Krieg 1914-1918 , Verlag W. Kohlhammer: Stuttgart 2014

9783406661914_large.jpg

Die Büchse der Pandora. Geschichte des Ersten Weltkriegs, Verlag C. H. Beck: München 2014.

Aktualisierte 5. Auflage im Handel erhältlich

comparingempires.jpeg Comparing Empires. Encounters and Transfers in the Nineteenth an Early Twentieth Century, ed. together with Ulrike von Hirschhausen, Schriften der FRIAS-School of History, Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen² 2012.
Militär und Medien Militär und Medien im 20. Jahrhundert (Themenheft der Militärgeschichtlichen Zeitschrift, Vol. 70/1), hg. von Ute Daniel und Jörn Leonhard und Martin Löffelholz, München 2011.
nobility.jpeg What makes the nobility noble? Comparative Perspectives from the Sixteenth to the Twentieth Century, hg. zusammen mit Christian Wieland, Schriften der FRIAS-School of History, Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen, 2011.
kolonialevergangenheiten.jpeg Koloniale Vergangenheiten – (post)imperiale Gegenwart, hg. zusammen mit Rolf Renner (Studien des Frankreich-Zentrums der Universität Freiburg, Bd. 19), Berliner Wissenschaftsverlag GmbH (BWV): Berlin 2010.
empires-nationalstaaten.jpg Empires und Nationalstaaten im 19. Jahrhundert, Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen² 2010.
Bellizismus.jpg Bellizismus und Nation. Kriegsdeutungen und Nationsbestimmung in Europa und den Vereinigten Staaten 1750-1914 (Studien zur Ideengeschichte der Neuzeit, hg. von Dietrich Beyrau, Anselm Doering-Manteuffel und Lutz Raphael, Bd. 25), Oldenbourg Verlag: München 2008.

Werner-Hahlweg-Preis (1. Preis), 2006

Preisträger im Wettbewerb "Historisches Buch des Jahres 2008" in der Kategorie Neuere Geschichte (HSOZKULT), 2009

Landesforschungspreis des Landes Baden-Württemberg 2010
Leonhard - Empires and the Military.jpg Multi-Ethnic Empires and the Military: Conscription in Europe between Integration and Desintegration, 1860-1918 (Journal of Modern European History 5/2), hg. zusammen mit Ulrike von Hirschhausen, Verlag C.H. Beck: München 2007.
Leonhard - Ten Years.jpg Ten Years of German Unification. Transfer, Transformation, Incorporation, hg. zusammen mit Lothar Funk, Birmingham University Press: Birmingham 2002.
Leonhard - Nationalismen in Europa.jpg Nationalismen in Europa: West- und Osteuropa im Vergleich, hg. zusammen mit Ulrike v. Hirschhausen, Wallstein Verlag: Göttingen 2001.
leonhard-liberalismus.jpg Liberalismus - Zur historischen Semantik eines europäischen Deutungsmusters (Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London, hg. von Peter Wende, Bd. 50), Oldenbourg Verlag: München 2001.

Forschungspreis des Deutschen Historischen Instituts London, 1998

Wolf-Erich-Kellner Forschungspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung Bonn, 1999

Dr. Claudia Gatzka

Gatzka - Die Demokratie der Wähler. Stadtgesellschaft und politische Kommunikation in Italien und der Bundesrepublik 1944-1979, Düsseldorf 2019.

Dr. Friedemann Pestel

kosmopoliten Kosmopoliten wider Willen. Die monarchiens als Revolutionsemigranten (Pariser Historische Studien 104), Berlin/Boston 2015.
umschlag_14856.jpg Weimar als Exil. Erfahrungsräume französischer Revolutionsemigranten 1792-1803 (Transfer. Deutsch-Französische Kulturbibliothek 28), Leipzig 2009.